Mongolei. Sohn-und-Mutter-Reise.

Sehenswert ist im Norden der Chöwsgöl Nuur (Khuvsgul See), das Amarbayasgalant Kloster und im Süden Sainshand und Umgebung. Die Reise ist geeignet für Abenteurer, Individualreisende, Entdecker mit Liebe zur Natur, Kultur und Spiritualität.

 

Reiseroute für Mongolei | 2 Woche(n) | veröffentlicht am 26. September 2018

 

1. Reisetag  |  München - Bejing - Ulaan Baatar  |  Übernachtung im Flugzeug

Wir fliegen von München nach Bejing. Da wir 10 Stunden Aufenthalt haben, bevor es weiter nach Ulaan Bataar geht, nehmen wir ein Taxi, und fahren zur "Verbotenen Stadt". Es dauert ewig, da der Flughafen außerhalb liegt, und viel Verkehr auf den Strassen ist. Es herrscht auch starker Smog. Die Luft ist nicht sehr gut. In der Verbotenen Stadt drängen sich viele Touristen. Lukas und ich beschließen, nicht hineinzugehen, da das mit langer Wartezeit verbunden wäre, sondern selbstständig spazierenzugehen. Leider regnet es. Spannend wird es auf der Rückfahrt zum Flughafen. Der Taxifahrer bekommt den Kofferraum nicht mehr auf! Wir fahren mit ihm zu einer Werkstatt. Dort will er den lässig dreinschauenden KFZ-Mechanikern sein Problem zeigen...und: Der Kofferraum geht auf! Coole Blicke der KFZ-Mechaniker, ungläubiges Gesicht des Taxifahrers, und „Freudentränen“ der Erleichterung bei mir und meinem Sohn.

2. Reisetag  |  Ulaan Baatar  |  Kempinski Hotel Khan Palace*

Abholung vom Flughafen und Fahrt zum Hotel durch Sixt. Wir freuen uns auf eine Dusche und ein Bett! Doch vorher noch ein wunderbares mongolisches Abendessen im Hotel! Sehr empfehlenswert!

3. Reisetag  | Von Ulaan Baatar Richtung Norden  |  Übernachtung im Jeep

Ein exquisites Frühstücksbuffet im Hotel. Best ever! Dann Geldwechseln, Einkaufen, Mietwagen und Equipment abholen, und los zum ersten Lagerplatz, kurz hinter Ulaan Baatar. Es dauert über eine Stunde, aus der Stadt herauszukommen. Wahnsinniger Stau auf einer der einzigen Ausfallstraße. Dann, kurz hinter der Stadt, eine enorme Weite, pure Natur! Lukas fährt einen kleinen Weg auf eine Weide hinein, und immer weiter hinauf, bis zum Waldrand, wo wir unser Lager aufschlagen. Die Aussicht ist atemberaubend schön! Langsam geht die Sonne unter und zusammen mit heraufziehenden Regenwolken zaubert sie ein wundervolles Bild über Berge und Gebirgszüge, die sich unendlich, immer weiter zum Horizont erstrecken! Wir wandern noch zu einem schönen „Ovoo“ (= Gebetsstätte, meist auf einem Hügel oder Berg gelegen) auf einem nahegelegenen Hügel, und machen ein kleines Feuer, bis der einsetzende Regen es löscht. Da es regnet und gewittert, und das aufblasbare Zelt heute immer wieder in sich zusammenfällt, und wir noch nicht wissen warum, schlafen wir im Auto. (Ab der 2. Nacht funktioniert das Zelt sehr gut! Wir hatten vergessen ein Ventil zu öffnen!) Dass ich nun hier bin, in der Mongolei, im Auto, neben Lukas, mitten in den mongolischen Bergen, draußen der Regen, dazu aufkommender, dichter Nebel…all’ das macht mir plötzlich Angst! Komisch! Denn es ist gemütlich im Auto, warm und trocken! Irgendwann schlafe ich ein. Morgens hat sich der Nebel fast aufgelöst, und es gibt Honigbrot und Ingwertee im Nieselregen, was uns aber nicht daran hinderte, alles, so wie es ist, zu genießen! Wir räumen auf, und packen zusammen. Ich sammele noch den Müll ein, den wir hier oben gefunden haben! Erstaunlich, dass selbst hier, an diesem einsamen Waldrand weggeworfene Zigarettenschachteln, alte Saftkartons, Windeln und Plastikpapiere herumliegen. Schade. Wieder auf der Strasse merken wir: „Der Weg ist das Ziel“! Durch diese Landschaften zu fahren, die Weite und Freiheit zu spüren, ist so gut!!!

4. Reisetag  |  Erdenet und erster Versuch, das Kloster Amarbayasgalant zu erreichen  | Übernachtung im Zelt der Firma “Heimplanet”auf einer Weide

Wir verbringen den Tag vor allem auf der Strasse, weil wir möglichst schnell zum Chöwsgöl See wollen. Die Landschaft ist wunderschön! Sehr hügelig und grün. In der Selenge plötzlich große Felder, und neben der Strasse Jurten und Bienenstöcke. Es wird Honig verkauft! Nach Dharkan müssen wir nicht hinein, der Weg führt kurz davor nach links weiter. Die sogenannte "Abkürzung", die in der Karte eingezeichnet ist, ist zum Glück nirgends zu sehen. "Abkürzungen" solltest du in der Mongolei mit Vorsicht genießen. Der längere Weg ist meist der sicherere und bessere! Wir überqueren den Orkhon Fluss. Lukas will darin schwimmen, aber er ist reißend, und führt zuviel Wasser! Als wir dort wenigstens eine Pause machen wollen, vertreiben uns hunderte von Mücken! Heute wollen wir noch einen Abstecher zum Kloster Arambayasgalant machen, das in einem versteckten Tal zwischen Darkhan und Erdenet liegt. Wir kochen unser Mittagessen an der Sandpiste, die zum Kloster führen soll. Ein großes Motorrad kommt aus Richtung des Klosters vorbei, mit deutschem Kennzeichen, der Fahrer winkt uns kurz zu. Leider endet die breite Sandstrasse bald, und geht über in verschiedene ausgefahrene Erdpisten, teilweise schlammig, oder mit großen Wasserpfützen darin. Diese „Strassen“ schlängeln sich oft halsbrecherisch hoch und runter. Lukas genießt das „off-road-feeling“. „Besser als jedes Computerspiel“, lacht er, und stürzt uns über die nächste Klippe. Wir und der Inhalt des Jeeps werden hin - und hergeworfen, hüpfen auf und nieder. Nach wenigen Kilometern bin ich schon etwas am Ende meiner Nerven. Immer weiter fahren wir in entlegene Täler, sehen unheimlich schöne Landschaften, sehr archaisch: grüne Weiden und Berge, mit Jurten, die wie weiße Tupfer hineingemalt sind, Pferde, kleine Flüsse…Es ist, als ob die Zeit stehengeblieben ist! Irgendwann endet die Strasse im Sumpf, wir wenden, nehmen eine andere, und dann, nachdem sie immer schmäler wird, und wir zuletzt bei einem Abbruch der Strasse, kaputte Autoteile in der Tiefe sehen, denken wir: „Das kann nicht der richtige Weg zum Kloster sein!“ Wir halten bei einer Jurte. Ein Mongole kommt heraus. Er spricht kein Englisch. Und wir nicht mongolisch! Er weiß von keinem Kloster. Auf dem Dach seiner Jurte trocknen kleine weiße Milch-Plätzchen. Er schenkt uns eine Handvoll. Wir schenken ihm Schokokekse. Er freut sich! Sein Gesicht ist dunkelbraunrot, die Haut dick und von früherer Kälte angegriffen. Mit wem hat er wohl in letzter Zeit ein Wort gewechselt? Wir beschließen zurückzufahren. Auf der anderen Seite sehen wir Autos fahren. Das muss die richtige Strasse sein! Lukas will sie unbedingt jetzt noch finden! Doch ich bin fertig für heute! Ich sage ihm, dass ich das lieber noch einmal auf der Rückfahrt probieren möchte. Er lässt sich darauf ein. Zum Glück! Es ist ja letztendlich immer alles gut, so, wie es ist, auch, wenn du es noch nicht weißt! Ich erzähle später, warum es unser Glück ist, heute nicht zum Kloster zu fahren! Wir fahren also wieder auf die normale Strasse zurück, und weiter Richtung Erdenet. Erdenet ist für den Durchreisenden keine „schöne“ Stadt. Überall sehen wir alte, marode Leitungen, die über der Erde verlegt sind, und zusammen mit alten Arbeiterwohnsiedlungen verbreiten sie einen morbiden Charme. In Erdenet gibt es eine große Kupfermine, und alles scheint davon bestimmt! Vielleicht wäre es ein anderes Bild, wenn wir die Hauptstrasse verließen, und ins Zentrum fahren würden? Wir wollen aber weiter, um einen guten Nachtplatz zu finden. Am Nachmittag fahren wir auf eine schöne Weide, auf der wir unser Zelt aufschlagen und Abendessen kochen. Es ist schön, nach der Autofahrt zur Ruhe zu kommen. Wir sehen Jurten weiter entfernt in einer Senke, und Herden von Schafen, Ziegen, und Pferden, die von Hirten auf Motorrädern über die Wiesen getrieben werden. Es ist ein friedliches, geruhsames, und ganz einfaches Bild. Überall, wohin du schaust, ist Weite und Frieden! Es gibt fast keine Geräusche. Meistens umgibt uns eine große Stille. Irgendwann schwebt ein Bussard über uns, und setzt sich dann in der Nähe auf einen Hügelkamm, um zu sehen, was das Abendessen bringen wird. Er sitzt regungslos und sehr lange dort. Auch in dieser Nacht regnet es, was uns aber nichts ausmacht, da das Zelt wunderbar trocken und warm hält. Wie schön, dass am nächsten Morgen die Sonne scheint! Perfekt für Morgenübungen, Frühstück, und, um das Zelt vor der Weiterfahrt zu trocknen!

5. Reisetag  |  Über Bulgan und Mörön zum Chöwsgöl Nuur (Khuvsgul See)  |  Übernachtung im Toilogt Camp*

Bulgan ist eine kleine, sympathische Stadt. Sie besteht aus vielen kleinen Holzhäusern, die, wie in der Mongolei üblich, nicht nur mit roten Dächern gedeckt sind, sondern auch mit blauen, grünen, gelben und orange farbenen! Das ergibt ein buntes und fröhliches Bild. Laut Reiseführer soll es in Bulgan eine Apotheke geben, die gute Naturkräuter führt. Leider finden wir sie nicht. Wir kaufen neuen Wasservorrat ein, und weiter geht es Richtung Chöwsgöl Nuur! Nach Bulgan kommen wir durch bergige, waldreiche, wunderschöne Landschaft! Das Ovoo, an dem wir halten, um für unsere gute Weiterfahrt zu beten, ist wunderschön! Es ist der Rahmen einer alten schamanischen Trommel! Wir steigen wieder ins Jeep, und fahren weiter. Da! Direkt vor uns stürzt sich ein riesiger Bussard auf die Strasse, pickt eine (schon tote?) Maus auf, und fliegt davon. Lukas reagiert gut, und verlangsamt das Auto! Zum Glück ist hinter uns kein Auto! Wir schauen dem Bussard mit offenen Augen und Mündern bei seinem waghalsigen Manöver zu, und sind dankbar für diesen magischen Moment! Auf unserer Reise sehen wir einmal ein schönes Bild: Zwei Männer, in ihrer Tracht: Türkisgrüne Mäntel (Deel) mit strahlend orangefarbenen Stoffgürteln, liegen zwischen ihren Pferden neben der Strasse auf der Wiese, und machen ein Nickerchen. Welch' ein Frieden!!! Und zwei Radfahrer, die mit relativ wenigem Gepäck unterwegs sind. Woher kommen sie? Wohin fahren sie? 40 km vor Mörön hält uns ein Mann an, der neben seinem Jeep am Strassenrand steht. Er macht das so bestimmt, dass wir gar nicht anders können, als anzuhalten. Es stellt sich heraus, dass er Polizist ist! Er hat seine Familie dabei, eine Frau, und zwei Jungs. Das Auto ist kaputt, wir sollen sie abschleppen! Er schickt uns einen jungen Burschen zu ins Auto. Der setzt sich hinten auf die Kochkiste, und kann über sein Handy mit den Abgeschleppten und uns kommunizieren! Es geht los. Lukas’ erste Abschleppfahrt! Er macht das toll. Jetzt bloß keine Ziegen oder Schafe auf der Strasse! Wir zuckeln über die Berge gen Mörön. Die Familie im abgeschleppten Auto amüsiert sich. Sie lachen dauernd! Auch der Bursche ist gut gelaunt. Er kann zwar fast kein Englisch, und wir nur ein paar mongolische Worte, aber wir amüsieren uns trotzdem. In Mörön angekommen, werden wir ins Haus der Familie eingeladen, und mit Buttertee und Nudelsuppe bewirtet. Die Schwester des Polizisten wird angerufen, und bedankt sich bei uns auf englisch. Wir lehnen Geld ab, bekommen aber eine Tüte mit getrockneten Milch-Plätzchen. Jetzt werden noch Facebook-Adressen ausgetauscht. Was? Lukas macht Musik? Rap? Hip Hop? Wunderbar! Alle freuen sich, und machen Selfies mit Lukas.….Dann geht es weiter… Lange Autofahrt durch wundervolle Landschaften. Wir passieren den Punkt des 50° Breitengrades und 100° Längengrades! Nach 10 Stunden erreichen wir unser Camp am See. Das Toilogt Camp. Wir freuen uns über Essen, eine Dusche, und ein Bett!

6. Reisetag  |  Chöwsgöl Nuur  |  Übernachtung im Toilogt Camp*

Wir waschen ein paar Sachen, genießen den See und die Ruhe. Der See und die Landschaft ist unbeschreiblich schön! In der Sonne ist das Wasser türkis, wie ein Meer! Wir freuen uns, nicht auf der Strasse zu sein! Mein Sohn Lukas springt nach dem Aufwachen in den See (14 Grad!), und wir meditieren. Wir machen eine wunderschöne Wanderung am See entlang. Ich gehe mittags - kurz! - im See "baden". Lukas fährt mit dem durchsichtigen Kajak, und schaut durch's glasklare Wasser bis auf den Grund! Das Camp wird von einer sehr geschäftstüchtigen Mongolin geleitet. Es ist hier alles sehr an amerikanischen Touristengruppen orientiert. Wohnen kann man in mongolischen oder kasachischen Jurten, oder in Tippies. Geheizt wird in kleinen Eisenöfen. Leider ist das Holz sehr frisch und feucht, und brennt nicht richtig. Da wir nicht so viel Anzünder dabei haben, müssen wir immer wieder fragen, ob jemand kommt, um den Ofen einzuheizen. Auch das Holz in der Sauna scheint feucht zu sein. Wir müssen nach kurzer zeit vor dem Rauch, der in die Sauna dringt, fliehen. Ansonsten ist das Ger-Camp ganz schön. Auch das Essen ist lecker und liebevoll zubereitet. Aber wenn ich mir vorstelle, dass die Jurten im Sommer voll belegt sind, frage ich mich, wie das dann hier alles ablaufen wird, auch in den Waschhäusern… Ich bin froh, dass wir in der Nachsaison hier sind, und bis auf ein paar kleine Reisegruppen nichts los ist. Alles Brauchwasser muss gesammelt, und mit dem LKW zu einem anderen Ort transportiert werden, da der Chöwsgöl See Trinkwasserqualität hat, und kein anderes Wasser hineingeleitet werden darf. Das bedeutet große Verantwortung! Lukas und ich sind froh, nicht in einer Gruppe zu reisen, denn so haben wir unsere Ruhe, und können die Dinge in unserem Rhythmus unternehmen. In der Gruppe bist du zwar „aufgehoben“, und fühlst dich „sicher“. Aber du musst immer alles mit diesen Menschen machen, ob es dir paßt, oder nicht. Lukas und ich fühlen uns frei! Wir können immer entscheiden, was wir machen wollen. Wir genießen es sehr, individuell reisen zu können. Im Camp werden Bootstouren und Pferdetrekking angeboten. Du mußt dich als Individualreisender allerdings selbst darum kümmern. Die Gastgeber des Camps sind nicht sehr informativ und fürsorglich, was Unternehmungen anbetrifft!

7. Reisetag  |  Amarbayasgalant Kloster |  Übernachtung im Zelt

In der letzten Nacht regnet es. Leider dringt der Regen in unsere Jurte, der Boden ist ganz nass. Und kalt ist es auch. Wir sind froh, unsere Daunenschlafsäcke zu haben, und freuen uns schon wieder auf unser warmes und trockenes Zelt. Als wir zum Auto gehen, sehen wir, dass es in den Bergen geschneit hat! Die hohen Gebirgszüge sind weiß überzuckert, und sehen majestätisch aus! Los geht es zurück, Richtung UB! Aber vorher wollen wir es doch schaffen, das Kloster Amarbayasgalant zu finden! Lukas gibt nicht auf! Er will zu diesem Kloster! Und ich auch. Dieses Mal bereiten wir uns noch mehr vor. Wir haben heute zwei Karten auf dem Handy. Einmal „MAPS.ME“, und dann noch die Google Maps Karte. Allerdings werden wir auf der Strecke kein Netz haben, und wissen auch, dass wir uns grundsätzlich eher links halten müssen. Fragt sich nur, wann! Nachdem die Kiespiste endet, gibt es viele verschiedene „Wege“, die alle irgendwie in die gleiche Richtung zu führen scheinen, es dann aber nicht wirklich tun! Lukas nimmt also intuitiv heute am richtigen Punkt die linke Möglichkeit, und wir haben das Gefühl, jetzt auf dem richtigen Weg zu sein! Vertrauen gibt uns auch, dass die Strasse jetzt eher etwas besser wird, und, dass sie von hölzernen Strommasten gesäumt wird. Ein sehr gutes Zeichen! Irgendwann überqueren wir einen Pass, und kommen über eine klitzekleine rote Holzbrücke, da taucht die Klosteranlage vor uns auf! Das Kloster liegt am Fuße eines Berges, zusammen mit einigen Jurten und kleinen Holzhäusern. Wir müssen allerdings noch einen Fluss durchqueren, und loben wieder einmal unser tolles Jeep! Es läßt uns nie im Stich! Lukas und ich fallen uns in die Arme! Wir haben nicht aufgegeben. Wir haben es geschafft! In der Nähe des Klostereingangs ist eine große Wiese, auf der wir unser Zelt aufbauen. Gegenüber gibt es sogar einen kleinen Laden, in dem wir Wasser kaufen können. Immer wieder kommen Mongolen vorbei, und besuchen uns, und schauen unser seltsames Zelt an! Sie staunen, dass es aufblasbar ist! Lukas und ich gehen zum Kloster. Das Kloster Amarbayasgalant („Kloster der ruhigen Glückseligkeit“) ist in der Nähe des Flusses Selenge gelegen, am Fuße des Berges Burenkhan. Es ist eins der drei größten Klöster der Mongolei. „Der Legende nach sind seine Gesandten (des Mandschu-Kaisers) durchs ganze Land gereist, um einen geeigneten Platz für das Kloster zu finden. Sie trafen zwei Schafhirten, der eine hieß Amar, und der andere Bayasgalant. „Amar“ kann als sanft und friedlich übersetzt werden, und „Bayasgalant“ als Freude und Glück. So entschieden die Geaandten, dass dies ein Zeichen sei, und wählten diesen Ort.“ (aus: „Mongolei. Unterwegs im Land der Nomaden“, Marion Wisotzki, Ernst von Waldenfels, Erna Käppeli, Trescher Verlag, 3. Auflage 2015) Wir treffen dort Sonia und Kamil, ein polnisches Pärchen aus Gdansk, das ein Jahr lang trampend die Welt bereist, und die es hierher verschlagen hat! Wir haben Glück! Heute beginnen drei wichtige buddhistische Feiertage mit Zeremonien und Ritualen. Das hätten wir nicht mitbekommen, wenn wir das erste Mal hierher gefunden hätten! Niemand kann uns sagen, wo die „steinerne Gebärmutter“ ist, die im Reiseführer beschrieben wird. Ein Mönch führt uns durch das Kloster. Wir sehen wunderschöne und beeindruckende Räume mit verschiedenen Buddhas und Bildern. Dieses Kloster ist ein ganz besonderer Ort, das spüren wir sofort! Früher haben hier 2000 Mönche gelebt, heute sind es nur noch wenige. Wir zählen bei den Zeremonien nur etwa 30. Mit dabei ist ein ganz junger. Vielleicht 6 Jahr alt? Die älteren Mönche kümmern sich rührend um ihn. Niemand sagt ihm, was er tun, oder lassen soll. Er sitzt die ganze Zeit geduldig, und beobachtet die Zeremonien. Ein älterer Mönch „tanzt“ in einem schweren Kostüm. Wir erfahren, dass ganz besondere Mönche dafür ausgewählt werden. Dieser macht das jetzt zum 14. Mal. Es gibt einige Besucher und auch ein Film-Team. Das Kloster und dieser Ort strahlt eine besondere Ruhe, einen tiefen Frieden aus. Es ist ein mystischer Platz, und ich bin so glücklich, dass wir hierher gefunden haben! Am nachmittag kommen Lukas und ich nochmal zum Kloster. Vor uns ist eine mongolische Besuchergruppe. Neben dem Haupttempel steht eine kleine Stupa aus Stein. Das Steingeviert mißt in etwa 50 x 50 cm? Nicht wirklich groß jedenfalls! Hier kriecht eine Frau hinein! Das ist die steinerene Gebärmutter, die ich gesucht, und nicht gefunden habe! Die Frau schlängelt sich vom Norden her, Millimeter für Millimeter hinein und hindurch, wie ich es im Reiseführer gelesen habe. Zuerst muss sie ganz hinein, dann dreht sie sich im Uhrzeigersinn dreimal herum, und muss nun etwas nach oben, um durch das kleine Loch Richtung Süden hinauszuschauen, und ihre Wünsche und Gebete dort herauszuschicken. Jetzt muss sie langsam wieder nach unten auf den Boden, und sich so zusammenfalten, dass sie sich nach vorne, Richtung Süden wieder aus der Gebärmutter herausschlängeln kann. Sie schafft es, und ist überglücklich! Jetzt ist Lukas an der Reihe. Mutig bewegt er sich hindurch! Als er wieder draßen ist, sagt er trocken zu mir: „Also Panik dafrst du da nicht bekommen!“ Ich bin auch mutig, und bewege mich ein bißchen wie in Trance hindurch. Es ist ziemlich eng, aber ich schaffe es. Als ich mich am Ende hinausbewege, bin ich außer Atem, und sehr glücklich, es geschafft zu haben! Jetzt sind wir wiedergeboren! Abends finden im Haupttempel zwar keine Zeremonien mehr statt, aber ein paar Besucher*innen sind da und reden mit den Mönchen. Ein älterer Mongole reicht Lukas und mir je einen Becher mit Ayran, vergorener Stutenmilch. Ich warne Lukas, dass er vielleicht vorsichtig sein muss. Wenn der Körper das nicht gewohnt ist, kann er schnell reagieren, mit Bauchweh oder Durchfall. Wir nippen gespannt. Es schmeckt gut! Ein bißchen wie Buttermilch oder Kefir! Eine Mongolin schaut ich intensiv an. Sie spricht mich auf englisch an. „Ich habe Sie schon einem gesehen!“, sagt sie immer wieder. „Ich kenne Sie!“ Ich lächle. „Ja! Vielleicht in einem anderen Leben?“, antworte ich. Sie schaut mich an, und ich sie. Ja, sie sieht auch für mich sympathisch aus. Ihre braunen Augen sind sehr tief und intensiv. „Sie strahlen so eine Wärme aus! Sie sind mir sehr sympathisch. Darf ich Sie umarmen?“, fragt sie mich. Ich nicke, und sie kommt auf mich zu. Wir umarmen uns lange. Es ist eine intensive, schöne Umarmung. Es ist ein sehr berührender Moment!

8. Reisetag  |  Hinter Ulaan Baatar auf einer Weide |  Übernachtung im Zelt

Wir fahren vom Kloster weiter, zurück, über Ulan Baatar, nach Süden. Sonja und Kamil, die beiden polnischen Tramper, sind froh, dass wir sie mitnehmen! Durch Ulaan Baatar zu kommen ist wieder eine Geduldsprobe! Wir stehen lange im Stau. Aber wir wollen unbedingt außerhalb von UB übernachten. Bald finden wir auf grünen Hügeln einen schönen Platz. Es war heute wieder eine lange Autofahrt. Morgen geht es weiter, Richtung Sainshand, in die Ost-Gobi.

9. Reisetag  |  Sainshand  |  Crystal House Hotel*

Nach einer langen Fahrt durch die Wüstensteppe, kommen wir nachmittags in Sainshand an. Wir suchen ein Hotel, und finden das "Crystal House Hotel", klein und fein. Ein Familienbetrieb! Wir duschen, und fahren dann noch 40 km weiter zur Klosteranlage Khamariin khiid, bestehend aus verschiedenen, auch weiter entfernten Orten: Das Kloster, das Shambala-Energiezenrtum, die "Zwei Fülligen", und der "Heilige Berg". Wir fahren zum heiligen Berg, und gehen hoch. Es sind zwar viele mongolische Touristen hier, aber der Platz strahlt eine ungeheure Kraft aus! Zusammen mit dem Wind und der Sonne ist das sehr beeindruckend. Auf dem Weg zum Gipfel sagt mir ein mongolischer Mann, dass nur Lukas ganz nach oben auf den Gipfel gehen darf. Der ist für Frauen verboten. Mir macht das nichts aus ich bleibe am weiter unten gelegenen Ovoo (Gebetsstätte), genieße das atemberaubende Panorama im Sonnenuntergang, und schaue den Menschen zu, die hier Wodka opfern und ihn betend in den Wind schütten. Der Sonnenauf -und untergang sind hier am schönsten! Abends machen wir Picknick im Hotel, mit Sachen, die wir noch im Auto hatten. Dann gehen wir in das Hotelrestaurant, und trinken noch etwas. Chinesisches Bier in der Mongolei! Hier ist richtig was los. Viele junge Gäste, die sich hier treffen und wohlfühlen. Es gibt original mongolisches Essen. Vor allem: Fleisch! Die Nacht wird für mich leider unruhig. Auf dem Gang meldet sich alle paar Sekunden ein Notlicht mit einem Warnton. Ich kann schwer einschlafen. Lukas dagegen schläft selig!

10. Reisetag  |  Wüste südlich von Sainshand  |  Übernachtung im Zelt

Morgens besuchen wir das Danzanravjaa-Museum in Sainshand. Es ist wirklich sehr empfehlenswert und zeigt in wunderschönen Exponaten das Wirken und Leben des Klostergründers Danzanravjaa (1803-1856). Er war ein armer Hirtenjunge, und dann geistiges Oberhaupt, Maler, Mediziner und Dichter. Eine schöne Bronzestatue im Park hinter dem Museum zeigt ihn schwebend im Meditationssitz mit einem Skorpion auf der Schulter. Lukas und ich fahren noch einmal zum Kloster. Wir besichtigen die Anlage, und fahren zum Energie-Zentrum. Dort legen sich die Menschen in den roten Sand. Die Mongolen zeigen uns, wie es geht. Schuhe ausziehen, und dann in Bauch- und Rückenlage flach auf die Erde legen! Am ovoo daneben wird dann Richtung heiliger Berg ein Lied gesungen. Da ich die mongolische Schrift nicht lesen kann, singe ich die englische Übersetzung. Eine Mongolin stellt sich neben mich, und singt mit mir! Es wird sehr heiß! 33°! Wir finden einen Baum in einem trockenen Flussbett und kochen uns Mittagessen. Unser Zelt stellen wir nicht weit vom Energiezentrum, nahe der Straße nach Sainshand, in der Wüstensteppe auf. Abends besucht uns ein mongolischer Führer, den wir am Energiezentrum gesehen haben. Wir bieten ihm Rote Bete-Salat an, den er gerne mit uns zusammen ißt! Der Sternenhimmel ist unbeschreiblich schön in dieser Nacht! Ich habe noch nie so einen weiten Nachthimmel gesehen! Die Nacht im Zelt wird durch ein Erlebnis der besonderen Art unterbrochen. Irgendwann höre ich ein Schnauben und Schmatzen und Grunzen durch die Zeltwand. Lukas und ich haben keine Lust nachzuschauen, WAS für ein Tier das ist! Wir tun so, als seien wir nicht zuhause. Zum Glück entfernt sich das Tier und seine merkwürdigen Geräusche ganz langsam, und wir schlafen ein.

11. Reisetag  |  Bürdene Bulag, Wüstenquelle  |  Erst Übernachtung im Zelt, dann im Auto

Da es gestern geschlossen hatte, besuchen wir heute noch das Aimag-Museum, das dem Danzanravjaa Museum direkt gegenüber liegt. Auch dieses Museum lohnt den Besuch! Es zeigt die Geschichte der Mongolei seit der Urzeit. Dinosaurierfunde, die Steinzeit, Leben, Natur und Kultur, Kriege und Wissenschaft! Wir trinken im Margad Hotel einen Tee und essen eine köstliche Nudelsuppe, bevor es weitergeht zur Wüstenquelle. Nochmal circa 80 km von Sainshand Richtung Süden liegt mitten in einer Düne die Wüstenquelle Bürdene. Mit Hilfe von unserer Kontaktperson von Escape To Mongolia finden wir die kleine Strasse, die irgendwann von der Hauptstrasse weggeht. Es gibt kein Hinweisschild! Die Strasse führt durch eine vollkommen einsame Landschaft. Bald sehen wir riesige Dünen auftauchen. Der Weg schlängelt sich lange durch trockene Flussbetten und Steppe. Am Ende der Strasse ist ein Touristen-Camp mit kleinen Holzhäusern, das jedoch schon geschlossen ist. Der Platz ist wunderschön. Die Düne sieht riesig aus, ist aber, sobald wir uns nähern, gar nicht mehr so groß! Die Quelle ist weiter entfernt. Unser Jeep bleibt im Sand stecken. Lukas versucht herauszukommen, aber der Reifen gräbt sich nur noch mehr hinein! Wir graben mit den Händen, und Lukas merkt, dass er das 4x4 Getriebe gar nicht eingeschaltet hatte! Im Nu sind wir draußen. Das ovoo, zu dem wir gehen ist beeindruckend. Vier große Holzstämme sind mit weißen und blauen Tüchern umwickelt. Lukas und ich bedanken uns bei den Göttern, dass wir gesund bis hierher gekommen sind, und beten für eine gute Weiterreise! Unser Zelt stellen wir heute Nacht wieder nahe der Strasse auf. Wir finden einen wundervollen Platz an einem großen Steinhaufen. Es ist ein Natur-ovoo! Sehr mächtig! Wir parken das Auto so, dass es mit den Steinen eine Art Schutzwall gegen den heftigen Wind bietet. Sogar kochen können wir! Wir stellen alles, was wir haben um den Gaskocher herum. Nachts wird der Wind so stark, dass er immer lauter wird. Das Zelt steht zwar wunderbar, aber es ist einfach zu laut! Wir ziehen ins Auto um.

12. Reisetag  |  Grüne Hügel vor Ulaan Baatar  |  Übernachtung im Zelt

Nun geht es zurück nach Ulaan Baatar! Die Strecke zurück nach Sainshand, und weiter, kommt uns kürzer vor. An einer geschlossenen Raststätte, wie im Wilden Westen, kochen wir uns Nudeln im Schutze einer Mauer. Die Strassen sind zwar befahrbar, aber du musst immer mit nicht angekündigten Löchern, oder Tieren auf der Fahrbahn rechnen. Dies ist ein freies Land, ohne Zäune! Wir sehen uns zwei europäisch aussehende Fahrradfahrer mit Kinderanhänger für Gepäck entegegenstrampeln. Wenig später läuft ein junges Mädchen mit großem Rucksack am Rand der Gegenfahrbahn. Allein! Ich bewundere ihren Mut, und frage mich auch, was am Alleinreisen gut sein soll. Am Nachmittag kommen wir endlich wieder in die Gegend, wo wir schon auf der Hinfahrt gen Süden gezeltet haben. Wir fahren etwas weiter von der Strasse weg, und finden einen wunderschönen Platz auf einer Weide. Wir kochen Abendessen, und ich wasche etwas, damit wir morgen in der Stadt nicht zu staubig daherkommen! Das Wasser reicht gerade so! Ein Auto kommt vorbei, und hält. Ein mongolisches Ehepaar besucht uns. Sie kommen vom Pilzesuchen, und schenken uns eine große Tüte mit frischen Champignons! Ich habe noch Gastgeschenke übrig, und gebe der Frau einen pinken Essie-Nagellack. Sie freut sich riesig darüber. Die Nacht ist ruhig. Der Wind hat sich gelegt. Es regnet kurz. Im Tal rattert die Transsibirische Eisenbahn und Güterzüge zwischen Ulaan Baatar und Beijing in endlosem Rhythmus ratternd hin und her. Abends und morgens trotten Kühe vorbei, die sich über die Gäste auf ihrer Weide wundern. Morgens scheint die Sonne und trocknet Zelt und Kleidung. Lukas liest. Ich schreibe Tagebuch, und schaue in den Himmel. Drei Bussarde fliegen genau über uns! Sie kreisen sanft in der Thermik, und ihr Flug sieht aus wie eine Choreographie! Wir nehmen die Vodkaflasche, und ein paar getrocknete Milchplätzchen, die vom Opfern an den Ovoos übriggebliebene sind, und gehen zu unserem letzten Ovoo auf einem nahegelegenen Hügel. Wir sind so dankbar und glücklich, dass wir hier sind. Wir fallen uns in die Arme! Wir genießen dort oben noch ein letztes Mal die Weite und die Freiheit, dann gehen wir zurück.

13. Reisetag  |  Ulaan Baatar  |  Kempinski Hotel Khan Palace*

Zurück in Ulaan Baatar wartet unser Zimmer schon auf uns, und wir freuen uns sehr über die Dusche! Heute machen wir noch eine kleine Stadtführung, und kaufen ein paar Mitbringsl ein. Kleidung aus Kaschmir ist hier sehr hochwertig und günstig. Mit Freunden gehen wir als erstes in Millie's Cafe (oder auch: Millie's Espresso), wo du hervorragend Burger (und anderes!!!) essen kannst. Dann besuchen wir das Choijin-Lamyn-Museum. Es ist ein alter Tempelkomplex, der zwischen 1904 und 1908 gebaut worden ist. Einer der wenigen erhaltenen Tempel hier. Die Räume mit den verschiedenen Figuren und Buddhas sind wunderschön! Sehr empfehlenswert!!! Abends gehen wir noch mongolisch essen. Nach 12 Tagen veganer Ernährung freuen wir uns über "ein bißchen" Fleisch!

14. Reisetag  |  Rückflug Ulaan Baatar - Bejing - München  |  Übernachtung im Flugzeug

Der Flug nach Bejing ist angenehm. Dort haben wir 5 Stunden Aufenthalt, die wir im Flughafen verbringen. Lukas schläft, ich schreibe Tagebuch und beobachte das Leben hier, mitten in der Nacht! Air China bringt uns zurück nach München. Ich kann kaum schlafen, aber Lukas schläft selig! Ein paar Turbulenzen über Russland machen mich nervös, doch Lukas meint, das sei kein Grund zur Beunruhigung. Wir kommen gesund und munter, und etwas müde in München an. Die Eindrücke dieser wunderbaren Zeit sind tief in uns verwurzelt, und werden uns noch lange begleiten!

 

Transportmittel 

Flugzeug und Mietwagen

 

Verfasser der Reiseroute: Susanne Eichhammer 

Mein Sohn Lukas (28) und ich, Susanne (58), sind mit dem Flugzeug über Peking nach Ulaan Baatar gereist, und dort mit dem Mietwagen (Sixt), und dem Campingequipment von Escape To Mongolia durch die Mongolei gereist. Erst hoch in den Norden, zum Chöwsgöl Nuur, und dann in den Süden nach Sainshand, zum Shamabala Komplex und zu der Wüstenquelle Bürdene Bulag. Insgesamt sind wir 3000 km gefahren. Erscheint viel, aber dadurch, dass du nie wirklich schnell fahren kannst, ist die Zeit "on the road" schon wunderbar, weil du so viel unterschiedliche Landschaften siehst. Wenn du weniger fahren willst, plane lieber 3 Wochen oder mehr ein. Insgesamt ist weniger mehr.

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